Aus Grau wird Bunt

800x600web-untitledWer immer schon mal einen dieser grauen Kästen von der Deutschen Telekom verschönern wollte, kann das nun ganz legitim und einfach, ohne nächtliche Sprayaktion mit Maskierung. Möglich machen es Kollegen der Deutschen Telekom Technik, die für die Multifunktionsgehäuse, wie die grauen Kästen fachlich heißen, zuständig sind.

Nicht nur Graffiti-Kunstwerke, die eher inoffiziell auf den Kästen gelandet sind, haben schon mal Farbe ins Grau gebracht. Einige Gehäuse wurde auch schon offiziell auf Anfrage bemalt, oft von Kommunen, Schulen oder Kindergärten. Nach sorgfältiger Prüfung der Anträge beendeten so ganz offiziell einige Multifunktionsgehäuse ihr tristes graues Dasein. Der Weg dahin war durch viel Papierkram allerdings recht aufwendig und ließ den ein oder anderen willigen Künstler doch wieder abspringen. Schade, denn die bunten Kästen sehen eindeutig schöner aus! Und schrecken nebenbei den ein oder anderen Möchtegern-Graffiti-Künstler davon ab, seine Spuren auf den Gehäusen zu hinterlassen.

So haben unsere Kollegen beschlossen, das Prozedere für Interessierte zu vereinfachen. Aus dem bisher umfangreichen Papierwerk ist eine E-Mail-Version geworden, die nur noch formlos bestätigt werden muss. Um auch weitere Leute zu motivieren, sich künstlerisch auf unseren Multifunktionsgehäusen zu verwirklichen und Stadtbilder zu verschönern, wurde sogar ein Flyer erstellt, der alle wichtigen Rahmenbedingungen auf einen Blick zusammenfasst. Mit der eigenen E-Mail-Adresse „produktion@telekom.de“ gibt es ein zentrales Einfalltor für alle Interessenten.

Damit der Look der Kästen nicht „verschlimmbessert“ wird, haben die Kollegen schon noch ein Auge darauf, was die kleinen und großen Künstler da vorhaben. Standort, Skizze und aktueller Zustand des Gehäuses müssen daher auch eingereicht werden. Regional wird dann von der Niederlassung geprüft, ob es sich überhaupt um ein Gehäuse der Telekom handelt und ob das gewünschte Motiv umsetzbar ist. Außerdem wird geklärt, ob eine kommerzielle Nutzung der Gehäuse möglich ist oder sogar bereits dahingehende Pläne bestehen. Steht dem nichts entgegen, müssen die Motive nur noch ethisch, politisch und religiös neutral sein und dürfen keine kommerzielle Werbung enthalten. Klar ist, dass unsere Kästen nicht tiefschwarz angemalt werden dürfen: Das könnte zu verstärkter Wärmeentwicklung führen, die unserer Technik schadet. Aus gleichem Grund dürfen die Lüftungsauslässe, Schließvorrichtungen und Scharniere nicht bemalt oder lackiert werden.

Die ersten Erfahrungen wurden schon gesammelt. Die Umsetzung lief einfach und schnell. So erfreuen sich einige Gehäuse schon an einem neuen Look, der sie teilweise sogar in ihrer Umgebung verschwinden lässt (s. Bilder). Und es werden hoffentlich noch mehr. Wer also gern unter die Straßenkünstler gehen möchte, kann sich auf die Suche nach einem Multifunktionsgehäuse seines Vertrauens machen und kreativ werden.

Update: Wir haben einen Künstler bei der Gestaltung eines Multifunktionsgehäuses begleitet. Das Video dazu könnt Ihr bei unseren Netzgeschichten sehen.

Kommentare (47)

  1. Ralf sagt:

    Hey, die Welt ist bunt, echt coole Sache, das bereichert!!!

  2. Micha sagt:

    Link zum Flyer bitte korrigieren. Das Thema findet grade im Netz Verbreitung, der Flyer kann aber nicht abgerufen werden.

  3. Eugen Schramm sagt:

    Denkt denn jeder, dass Künstler von Luft und Liebe leben? Wieder ein gutes Beispiel für eine kostenlose Künstlerausbeute! Ein Riesenkonzern der kein Cent für die Künstler zahlt!

    • JD sagt:

      Ein echter Künstler schert sich nicht um Geld…
      Er will dass seine Kunst lebt. Und Kunst lebt nun mal dadurch, dass sie gesehen wird.

      • EW sagt:

        Und dabei lebt ein echter Künstler halt von der Grundsicherung?

      • Eugen Schramm sagt:

        Ich wünschte mir nur, dass ein Riese wie die Telekom Geld in die Hand nehmen und die Künstler bezahlen würde.
        Diese Aktion und Philosophie „hier hast du eine Wand und male mir was schönes kostenfrei“ ist unteranderem daran schuld, dass ca 60 % der 180.000 Kreativen in Deutschland unter 900 € im Monat verdienen!
        You know!?

        • stimmt. Der Beruf des bildenden Künstler wird immer mehr ausgebeutet und weniger wertgeschätzt. Wovon wir unsere Miete, Lebensunterhalt – Atelierkosten, etc. bezahlen sollen, interessiert nicht wirklich… Augenscheinlich wird davon ausgegangen, dass Künstler sowieso wohl Hartz4 -Empfänger seien…

    • Alex sagt:

      Banksy sagt Ihnen etwas?

    • Aggropop sagt:

      Zuersteinmal hast du recht, die Kunst ist ein hartes Brot. Der Markt folgt idiotischen Gesetzen und wir haben es alle nicht leicht. Aber:
      Darum geht es hier doch gar nicht. Es gibt niemand so viel Geld für Zeitgenössische Kunst aus, wie Riesenkonzerne (Stiftungen, Sammlungen, Stipendien). Ich kenne Künstler, die leben ausschliesslich von Büroflächen-Stockwerkausstattung oder Kunst am Bau, bezahlt von: Riesenkonzernen.

      Hier wird etwas gemacht, das längst überfällig ist. Der Bürger wird eingeladen, sein Umfeld mitzugestalten. Nicht der Künstler, der Geld dafür will. Ein Riesenkonzern stellt dem Bewohner des urbanen Wohnraumes etwas zur Verfügung, dass im Überfluss vorhanden ist (sinnlos leere, ungestaltete Fläche).

      Natürlich machen sie das, um ihr Image zu verbessern. Aber das tun sie in meinen Augen auch glaubwürdig. Das ist ein Paradebeispiel von Corporate Behaviour done well: Alle machen mit, freuen sich, und die Firma verzichtet auf einen lächerlichen Kleinkrieg, der nicht zu gewinnen ist. Ich hoffe die Aktion wird ein Volltreffer und hat Signalwirkung. Es gibt noch viel hässliches zu bemalen (liebe Bahn, Stadtwerke, Autobahnkonglomerate, sonstige Riesenkonzerne).

      Telekomkunde werde ich erst, wenn da Preis und Leistung Stimmen, aber das wird an anderer Stelle diskutiert. (Wehe ich bekomme jetzt Spam auf diese Email!) Hier von mir kostenlose PR für einen guten Zweck.

  4. Norbert Heßdörfer sagt:

    ich habe jetzt schon ab und zu Schwierigkeiten einen KVZ zu finden, wenn sie aber so gut getarnt sind wie auf diesen Beispielen findet man die Kästen ja gar nicht mehr.

  5. carsten 41er sagt:

    Also bezahl ich mit meine monatsgebühren die schmirfinken? solche krawallbrüder sollte man das handwerk legen. sollen ihr „kunst“ in den eigenen vier wenden machen. widerlich wie sich die telekom da anbiedert

    • Von Bezahlung für die Künstler hab ich hier noch nichts gelesen. Mach Dir also um Deine Gebühren keine Sorgen, lieber Krawallbruder.

    • Marc Reul sagt:

      Wie sich manche hier mit ihren Kommentaren anbiedern!

    • Werner Molitor sagt:

      Was hat denn das mit Schmiererei zu tun ? Hier gehts darum, die grauen MSAN und KVz von ihrem tristen Grau zu erlösen. Und die, die hier malen, sind sicherlich nicht die, die Häuser etc. versauen. Hier muss man fein unterscheiden. Außerdem bezweifle ich, dass die Telekom Sie als Kunden dringend braucht !

      • carsten 41er sagt:

        Grau ist meine absolute lieblingsfarbe. Es gibt auch eine grund warum sie grau sind = weil sie so schön ausshene. Von diesem bunten kästen bekommt man doch augenkrebs.

        • Aggropop sagt:

          Man könnte ja verschiedene Grautöne verwenden: Schlammgrau, Mausgrau, Steingrau, Silbergrau, Nebelgrau, Anthrazit, Taubenblau, oh sorry

          • carsten 41er sagt:

            Also bei schlammgrau könnte ich noch ein auge zudrücken, silbergrau und anthrazit finde ich auch noch in ordnung. was aber garnicht geht ist mausgrau und nebelgrau. unterm strich find ich die verschandlung aber nicht in ortung.

    • Emperor sagt:

      Der mit dem Chaos Logo will einen von Ordnung und Schmierfinken erzählen. Hätte Papa Nurgle mal richtig gelesen hätte er verstanden das es genau darum geht das dieTelekom ihre Kästen anbietet weil diese verdreckt sind und ein Sprüher einer gewissen Klasse diese verschönern kann/darf, wenn er es denn gratis macht. Ich würde es nicht gratis machen .

  6. Luisa Vollmar Luisa Vollmar sagt:

    Nicht, dass es hier zu Missverständnissen kommt 😉 Wir rufen nicht dazu auf, dass uns Leute unsere Multifunktionsgehäuse unentgeltlich bemalen. Es geht darum, dass immer mal wieder Leute die Kästen bemalen wollten und danach gefragt haben. Denen möchten wir lediglich entgegen kommen und dies ermöglichen. Daher wurde der Prozess vereinfacht. Ganz einfach…

    • Klaus Güdelhöfer sagt:

      Im Sinne der Jugendkulturförderung eine tolle Sache. Die diversen Graffiti-Projekte der Städte und Gemeinden werden froh sein, wenn das Genehmigungsverfahren erleichtert wird. In Dormagen gestalten junge und kreative Leute seit vielen Jahren geeignete Flächen im öffentlichen Raum und sorgen damit für ein buntes Stadtbild. Ich freue mich auf die ersten Bilder auf „Stromkästen“ und werde für die Aktion werben.

    • Emanuel Klee sagt:

      Ich muss jetzt doch mal nachfragen…. Verstehe ich den ersten Satz so falsch?! Ich interpretiere das so als das man für die Gestaltung bezahlt wird bzw. eine Aufwandsentschädigung erhält…

  7. Mett sagt:

    Gilt das Angebot eigentlich auch für die passiven Kvz?

  8. Ein Kunde sagt:

    Das Beispielbild mit „Papst enthauptet“ gefällt mir. Ich hoffe die Telekom nimmt es nicht allzu genau mit „ethisch, politisch und religiös neutral“ – sonst wird es öde! Das ist dann auch keine Kunst mehr.

  9. Jan sagt:

    Cooles Ding! Das hat unsere Bürgermeisterin in Glessen, Bergheim vor vielen Jahren schonmal organisiert und es war sehr erfolgreich. Ich glaube das waren knapp 80 Kästen über das ganze Dorf verteilt. Ohne den Papierkrieg ist das natürlich um einiges nicer!
    Richtig nice wäre jetzt noch eine Standortliste mit Größenangaben. Für Graffiti-Künstler sind die kleinen 100×60 o.ä. nämlich nen Witz.
    Woran erkennt man Telekom Kästen? wie unterschieden die sich zB von RWE und co.?

  10. MRP sagt:

    Meine Güte, immer dieses Rumgemeckere….ist doch eine schöne Idee / Möglichkeit. Wenn es Sprayer gibt, die das machen möchten, dann lasst sie doch.

  11. Kidpone sagt:

    Guerilla Marketing für bevölkerungsfreundliches Image. „Yeah die Welt wird bunt!“ Mal sehen wie bunt sie noch ist, wenn das Internet nur noch limitiert zu kaufen ist. Hinter der Konzernmaske steckt eine Geldmaschine. Wieso sollten DIE auf einmal etwas gutes im Sinn haben…?

  12. Patrick sagt:

    Super geniale idee die kästen endlich legal zu verschönern. Find das echt mal lobenswert con der telekom und schaden wird das bestimmt nicht, da sich viele graffitikünstler jetzt gedanken machen werden. Gruss

  13. Philipp sagt:

    Wie sieht das eigentlich mit der Einbindung der Kommunen aus?
    Das es hier Bewegung gibt ist ja durchaus positiv zu bewerten – aber die Kästen stehen im Öffentlichen Raum – hierfür zeichnet ein Kommune verantwortlich, in denen es Abteilungen oder Fachbereiche gibt, die sich der Gestaltung öffentlicher Räume widmen – ebenso auch der Genehmigung der Standorte dieser Kästen. Erfolgt hier eine Einbindung bei der Motivabstimmung?

  14. Stefan sagt:

    Das klingt doch mal nach einer guten Lösung. Die ersten Bilder sind richtig Klasse. Die Gehäuse verschmelzen richtig toll mit ihrem Umfeld. Da muss man sich ja fast schon Sorgen machen seine MFGs wieder zu finden.

    Viele Bürger werden sich sicher freuen den Schandfleck vor dem heimischen Fenster los zu sein und die Mitarbeiter versauen sich nicht mehr die Arbeitskleidung an den frisch oder mit schlechter Farbe besprüten Gehäusen.
    Ich hoffe nur den Schwachmaten mit den Kleistereimern+Werbeplakaten geht dann auch die Werbefläche aus.

    Die Verschwörungstheoretiker sind ja auch schon in vollem Gange. Es wird bestimmt eine speziell entwickelte Farbe benutzt die von den Amis mit Nanorobotern versehen wurde, um uns noch besser überwachen zu können. In Fachkreisen spricht man von NSA 2.0 xD

    Bei 330.000 Kästen in Deutschland liegt es wohl näher das man mit der Aktion die Instandhaltungskosten senken kann und das Geld sinnvoller Investieren kann z.B. in Netzausbau.

  15. Sabine sagt:

    Finde es richtig gut, dass es denjenigen, die diese schrecklichen grauen und verdreckten Kästen verschönern möchten, das Genehmigungsverfahren erleichtert wird! Bei uns auf der Hauptstrasse in Rodenkirchen Höhe 29-31 steht auch so ein „Ding“ und sieht scheusslich aus. Würde mir so sehr wünschen, wenn es ein schönes Bild dort geben könnte. Viele Sprayer können doch so richtig gut was! Unsere kleine Welt wäre ein kleines Stückchen bunter….!

  16. Niclas sagt:

    Finde ich eine super Idee und schrieb auch gleich eine E-Mail. Wie lange muss man bei Euch auf eine Antwort warten und bekommt man überhaupt eine ? Ist jetzt zwar erst 2 Tage her, aber wäre doch recht lange. Es sei denn die Anfragen stapeln sich inzwischen schon bei Euch.

    • Luisa Vollmar Luisa Vollmar sagt:

      Hallo Niclas,

      die Kollegen haben im Moment einige Anfragen vorliegen. Da kann es schon mal ein bisschen dauern. Wahrscheinlich musst Du etwas Geduld mitbringen 😉

      Gruß
      Luisa

      • Niclas sagt:

        Hallo Luisa,

        so etwas dachte ich mir schon. Kein Problem. Man erhält halt nur so gar keine Antwort. Also noch nicht mal eine Infomail oder dergleichen. Aber weiss bescheid. 🙂

  17. Andre sagt:

    Super Lustig. Habe mit meiner Tochter die Strasse verschönert. Die Nachbarn sind begeistert und fragen jetzt immer wer die „Minions“ sind. 🙂

  18. Niclas sagt:

    Tja, erhielt nach einer Woche endlich eine Rückmeldung: Absage.

    „Leider können wir momentan keine Genehmigungen zur Bemalung von Außengehäusen im Bereich Frankfurt/Main erteilen. Sollte sich dies in absehbarer Zeit ändern, werden wir auf Ihre Anfrage zurückkommen.“

    Sehr schade. Woran hängt’s ?

  19. Dennis BC sagt:

    Hey
    ich würd mich gerne für die aktion anmelden… hab aber leider immernoch nicht so recht durchgeblickt wie und wo… der flyer schein immernoch buggy zu sein… jedenfalls wird mir angezeigt, dass ich derzeit nicht darauf zugreifen kann.

    PEACE

    • Andreas Kadelke Andreas Kadelke sagt:

      Hi, hab den Flyer auf verschiedenen Browsern geprüft, bei mir funktioniert’s. Hier die entscheidende Info:
      Schick eine E-Mail mit dem Betreff „Aus Grau wird Bunt“, dem Standort inklusive aktuellem Foto des jeweiligen
      Außengehäuses, einer Skizze des geplanten Motivs, das Du gerne umsetzen möchtest, Deinen Kontaktdaten bzw. den Deines Erziehungsberechtigten, wenn Du noch nicht volljährig bist, an: produktion(at)telekom.de. Damit Du besser erkennen kannst, wonach Du schauen musst: Im angebunden Video siehst Du, wie die Kästen aussehen, wenn sie noch nicht bemalt sind.
      Peace zurück 😉

  20. Michael sagt:

    Auf einer bunten Welt leben wir doch alle lieber, dass denke ich zumindest. Ich finde es gut, dass man in einer grauen Landschaft Farbe ins Leben bringt und es einem gleich viel besser geht.

    Super.

  21. Pingback: Gestern noch vandalismusgeschützt, heute freigegeben für Graffiti | STADTKIND

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