Bei Tempo 300 ins Internet

Infografik Hotpots im ICE

Wer wie ich häufiger im ICE unterwegs ist und dabei im Internet surft, weiß die Versorgung mit WLAN zu schätzen. Mails bearbeiten oder sich über das aktuelle Weltgeschehen informieren ist mittlerweile auch bei Tempo 300 möglich. Und durchaus komfortabel. Für die Deutsche Bahn, deren HotSpots die Telekom realisiert, ist die Versorgung mit WLAN ein bedeutender Servicefaktor geworden. Kürzlich hat die Bahn die kostenlose WLAN-Versorgung in der 1. Klasse der ICEs eingeführt. Die Bahn stattet alle ICE-Züge mit Hotspots aus. Seit Mitte vorigen Jahres ist das 5.200 Kilometer lange ICE-Kernnetz, auf dem 98 Prozent aller ICE-Passagiere befördert werden, für den Internetempfang ausgerüstet. Diese Strecken sind zu einem großen Teil mit dem neuesten Mobilfunkstandard LTE versorgt. In der Nähe von Bahnhöfen und entlang der Zugtrassen in Ballungsräumen funktioniert die Versorgung oft über UMTS. Der Großteil der rund 260 ICEs ist zu rollenden Hotspots umgerüstet worden.

Doch wie kommt das Internet eigentlich bei Tempo 200 und mehr in den ICE? Dahinter steckt eine aufwendige Technik, die wir in der eingebundenen Infografik (Gibt es in höherer Auflösung auch im Telekom Medienportal) einmal erklären wollen.

Die in den ICEs eingesetzten Hotspots funktionieren folgendermaßen: In einem Wagen jedes ICE-Zuges gibt es einen Server mit Modems, die die Mobilfunksignale an zwei Multibandantennen auf dem Dach weiterleiten. Jeder Zug hat eine feste IP-Adresse. Durch den gesamten Zug sind Netzwerkkabel verlegt. In jeden Wagen des Zuges sind zwei WLAN-Zugangspunkte in die Decke integriert. Der Server entscheidet dann aufgrund des unterwegs empfangenen Signals fortlaufend, welches Mobilfunknetz aktuell den höchsten Signalpegel hat, ob er also 3G oder LTE für die Datenübertragung nutzt. Und damit dieses Signal den Zug auch bei Geschwindigkeiten bis 300 km/h konstant erreicht, ist eine reibungslose Übergabe zwischen den Mobilfunkzellen nötig. Da die Mobilfunkzellen im LTE-Standard eine größere Reichweite haben als die im 3G-Standard, sind hier weniger Übergaben erforderlich.

Schließlich wären da noch die Eisenbahntunnel, die nicht einfach über das Netz der Mobilfunkstationen versorgt werden können, weil die Dämpfung des Erdreichs zu hoch ist (sehr kurze Tunnel ausgenommen). Hier werden so genannte Tunnelfunkanlagen eingesetzt. Sie bestehen aus einer Antenne außerhalb des Tunnels, die für die Anbindung an das Mobilfunknetz sorgt, und aus einem Schlitzkabel, das durch den Tunnel verläuft. Bei langen Tunneln muss das Signal im Schlitzkabel verstärkt werden. In kürzeren Tunneln bis etwa zwei Kilometer Länge lässt sich das Mobilfunksignal verteilen.

Ihr seht: Um ICE-Reisenden das komfortable Surfen im Netz zu ermöglichen, müssen Bahn und Telekom eine Menge Aufwand betreiben.

Update: Für den Fall, dass es mal nicht so klappt mit der Einwahl in den HotSpot, hat mein Kollege Markus in der Telekom hilft Community beschrieben, wie Ihr Hilfe bekommen könnt.

Kommentare (25)

  1. Max sagt:

    Schöner Artikel und gute Grafik. Nutzt die Telekom eigentlich noch Flash-OFDM im 450 MHz Bereich zur Anbindung oder nur noch 3G und LTE?

  2. Gerhard Posch sagt:

    Danke für den Artikel, hab mir im ICE öfter schon Gedanken gemacht wie das wohl im Detail funktioniert. In den Tunneln bricht das Signal auf der Strecke Siegburg – Frankfurt aber häufig ab.

    Weiter so, tolles USP der Telekom! 🙂

  3. Pingback: Samsung, Twitter, Billfront.

  4. Oliver Ast sagt:

    Nette kompakte Zusammenstellung. Danke dafür!

    Allerdings ist eine Aussage nicht ganz richtig. Die Größe einer Mobilfunkzelle ist erstmal unabhängig von der Technologie und dem Standard. Sie wird vielmehr durch die verwendete Frequenz, die Ausrichtung der Antenne und die Sendeleistung bestimmt.

    Da für LTE bei der TDG momentan aber primär Band 3 (1800 MHz) und Band 20 (800 MHz) zum Einsatz kommen und UMTS Band 1 (2100 MHz) verwendet, ist das Ergebnis soweit korrekt. Wäre für LTE Band 7 (2600 MHz) an den Bahnstrecken im Einsatz, sähe das schon wieder anders aus.

  5. Andreas sagt:

    Eigentlich prima, wenn die Firma nicht beschlossen hätte, die HotSpot-Flat aus einigen Mobilfunk-Tarifen heraus zu nehmen. Überspitzt könnte man sagen: Früher gab’s kaum WLAN-Verbindung, weil die Hotspots fehlten, jetzt gibts kaum Verbindung, weil Kunden mit XL-Tarifen fehlen.

    • Johnny sagt:

      Das stimmt allergdings, den Schritt kann ich nicht nach vollziehen. Viele Freunde sind verägert, bezahlen 60 Euro im Monat und bekommen keine Multisim mehr und keine HotspotFlat. Dadurch wandern sie zur konkurenz oder zu Congster und müssen auf LTE verzichten.

  6. M. Schröder sagt:

    Sehr schöne Grafik, aber ständig, wenn ich mit dem ICE fahre, ob privat oder beruflich, dauert es leider ewig, bis eine Verbindung vorhanden ist und wenn, dann ist sie nur von (sehr) kurzer Dauer.
    Wie gern würde ich WLAN im Zug nutzen.

    Hinzu kommt das Thema der inkludierten HotSpot Leistung im Vertrag, welches hier im Blog gereits angesprochen wurde.

    Ich freue mich also, wenn es dann mal irgendwann funktioniert, danke!

    • Klaus Babel sagt:

      Eigentlich ist dies eine tolle Sache, aber die Erfahrung mit dem schleppenden Verbindungsaufbau habe ich auch schon gemacht, gerade wenn der Zug voll ist.
      Auch habe ich die Erfahrung gemacht, dass die Verbindung unterbrochen wird.
      Extrem war dies auf der Streck zwische Frankfurt und Stuttgart.

  7. Joachim sagt:

    Ja, das läuft schon sehr schön mit der Mobilfunkversorgung in den ICEs.
    Aber ich muss sagen, WLan hat bei mir noch nie geklappt. Immer übers Vodafone-Netz, dass wird ja auch verstärkt.

  8. Rainer Vogt sagt:

    Welche Geschwindigkeiten Up/Download stehen dem Nutzer zur Verfügung? Wie ist die Verteilung im Zug geregelt wenn sehr viele Kunden sich eingewählt haben? Das Problem mir den Verbindungsabbrüchen habe ich leider sehr oft!

  9. Andreas sagt:

    Die Realität sieht anders aus!
    Ich fahre 2 mal die Woche die ICE Strecke Siegburg – Freiburg. Ich bekomme zwar eine gute WLan Verbindung angezeigt, aber sobald ich eine Internetverbindung aufbaue bekomme ich in der Regel die Meldung: Keine Verbindung zum Internet!!

    • Wilhelm sagt:

      Die Aussage von Andreas kann ich nur bestätigen. Bin auch öfters zwischen München und Siegburg unterwegs und erlebe das gleiche Problem. Ein weiterer Aspekt ist dass immer noch mit dem WLAN Standard 802.11b gesendet wird, was bei vollen Zügen eine katastrophale Datenrate mit sich bringt. 10 Einwahlversuche bis eine Verbindung steht sind keine Seltenheit.

  10. Stephan Hackmann sagt:

    Der WLAN-Hotspot auf der Strecke Bremen – Hannover – Göttingen – Kassel-Wilhelmshöhe – Nürnberg – Ingolstadt – München ist ganz akzeptabel. Über Remote-Access ist ein gutes Arbeiten möglich. Allerdings sind die Mobilfunkverbindungen genau das Gegenteil . Mein Blackberry hat ständig Abbrüche, sobald eine neue Funkzelle kommt. Die Weiterreichung von Funkzelle zu Funkzelle scheint gar nicht mehr zu funktionieren. Das Thema sollte bei den ganzen Hotspot-Aktivitäten nicht vergessen werden

  11. Michael John sagt:

    Leider wird in diesem Artikel nicht auf WLAN als Bottleneck eingegangen. 2 Access Points pro Wagon reichen auf keinen Fall aus, um auch nur die Hälfte der Passagiere in einem Wagon mit einer akzeptablen Verbindung zu versorgen. Das Zugriffsverfahren von WLAN (CSMA/CA) ist sehr ungerecht. Während wenige mit einer guten Verbindung versorgt werden, haben die meisten das Gefühl, mit einem 56k Modem unterwegs zu sein. Oder wurden hier neue Lösungsansätze entwickelt, welche in dem Artikel einfach nicht erwähnt wurden? Die in der Infografik erwähnten 800 Passagiere, welche mit Internet versorgt werden sollen, halte ich für sehr hoch gegriffen.

    • Raoul von Metzen sagt:

      Das macht aber nichts, wenn der ganze Zug nur mit 7,2MBit per UMTS verbunden ist…

      • Max sagt:

        Warum denn 7,2 MBit/s? Das ganze Telekom 3G Netz ist seit 2010 auf 42 MBit/s aufgerüstet, LTE schafft Minimum 50 Mbit/s… klar sind das theoretische Raten, aber mehr als 10-20 Mbit/s bekommt man ja selbst mit einem mobilen Hotspot im ICE rein, da sollte das mit professionellen Systemen und Außenantenne doch auch machbar sein 😉

  12. Robert sagt:

    Das abgebildete Stück Strecke würde ich auch gerne mal kennenlernen. Leider bin ich dem noch nirgends auf dem gesamtem Streckennetz begegnet – die HotSpots funktionieren einfach nirgends.

    Immerhin ist es toll, dass @telekom_hilflos immer so schön bei Twitter auf denselben unnötigen Link zur Hotline, die nichts dran ändern kann, verweist. Das aufzeigen der fehlenden Selbstreflektion sorgt damit wenigstens für eine Erheiterung im Alltag.

  13. Berserkus sagt:

    Schöne Skizze nur geht diese scheinbar leider noch an der Realität vorbei.

    Ich nutzte z.B. die Strecke Wuppertal-Nürnberg und zurück ca. 4x im Jahr. Eine nutzung des Hotspots ist aber immer relativ sinnlos da ich über mein Smartphone selber deutlich höhere Datenraten zusammenbekomme, im selben D1 Netz natürlich..
    Und das in Tunneln auch nur annähernd Empfang ist kann ich auch so nicht bestätigen, den dort ist gernell absolut „tote Hose“

    Wäre allerdings schön wen das ganze mal vernünftig funktionieren würde, hübsche Zeichnung hin oder her. Den Momentan ist das erstmal eher Makulatur als Wirklichkeit.

  14. Ingo sagt:

    Bei der Bahn mit Tempo 300 ins Internet? Da sind ja zwei Lügen in einer Überschrift vereint…

  15. Pingback: Surfen bei Tempo 300: So funktioniert WLAN im ICE

  16. Stefan J. sagt:

    Hallo,
    der Hotspot Zugang zu meinem Handy im ICE funktioniert immer super. Leider kann ich mich mit meinem dienstlichen Laptop über Hotspot nicht einwählen, weil die Anmeldeprozedur (Secure Client Monitor) ewig dauert.
    Über Tethering und mobiler Hotspot mit mein Smartphone funktioniert die Verbindung.
    Wer kann mir Tipps geben, wie ich den Hotspot im ICE für meinen dienstlichen Laptop nutzen kann.
    Danke.

    • Musa S. sagt:

      Hallo Stefan J.

      Im Telekom Secure Client gibt es die Möglichkeit die HotSpot Zugriffsdaten zu speichern. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Verbindung zum HotSpot wesentlich zuverlässiger klappt wenn die nötigen Daten bereits im Programm hinterlegt sind (kein warten auf die HotSpot Startseite etc. nötig).

      Vielleicht hilft dir das ja

      Grüße Musa

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