Update: Politische Meinungsbildung im Netz auch für analoge Themen? Eindrücke vom telegraphen_lunch

„Online ist gut, aber ab und an lohnt es sich auch mal in Echtzeit miteinander zu sprechen, gerade bei Themen der digitalen Welt und der Telekommunikation“, haben wir uns gedacht und so wurde der telegraphen_lunch geboren.

Update: Im Video haben wir für Euch Stimmen und Eindrücke der Teilnehmer zusammengestellt.

Bei Häppchen um die Mittagszeit wollen wir mit Vertretern der Branche, Politik und digitalen Welt über Meinungen und Perspektiven sprechen. Zusammen mit der Schwarzkopf-Stiftung JUNGES EUROPA haben wir heute zur ersten Runde telegraphen_lunch geladen. Impulsgeber für die Diskussion zum Thema “Wie verändern soziale Medien und Internet die politische Meinungsbildung?” waren Christoph Steegmans (Stellvertretender Sprecher der Bundesregierung) und Falk Lüke (Journalist und Mitgründer Digitale Gesellschaft). Mitdiskutiert haben etwa 50 Interessierte aus der digitalen Welt und Politik.

Zwei Punkte haben sich für Falk Lüke definitiv durch die neuen Medien verändert. Zum einen habe sich durch die neuen Möglichkeiten der Bürgeransprache das Politikverständnis gewandelt. Zum anderen bekomme die Politik jetzt direktes Feedback auf ihre Arbeit. Ganz so neu ist es nicht. Klas Roggencamp, Mitbegründer der Medienagentur Compuccino und der Online-Plattform wahl.de, sieht die Diskussion schon als überholt. Es sei alles schon da. Es sei nur die Frage, wo man mal alles zusammenbringt und anfängt, es zu nutzen. Für Falk Lüke haben es die neuen Medien allerdings geschafft, netzpolitische Themen auf die Agenda zu setzen.

Laut @politkalarm sind wir aber noch am Anfang: Online-Initiativen schaffen es tatsächlich nur im Einzelfall, realpolitischen Einfluss zu gewinnen. Frage in der Diskussion war dann, ob Themen, die nicht direkt die Netzpolitik betreffen, auch auf Internetplattformen bearbeitet würden. Anders gefragt: Funktioniert die Bürgerbeteiligung zur Gesundheitsreform nur offline, während die Beteiligung zum Thema Netzpolitik im Web läuft? Für Netzaktivist Jens Best war das keine Frage des Themas, sondern der Verankerung in der politischen Kultur: „Dann ist es egal welches Thema, dann kann man jedes Thema so bearbeiten“.

Eine solche politische Kultur bedarf natürlich einer Grundlage: Womit schnell das Thema Open Data aufkam. Christoph Steegmans zeigte zwar Verständnis für die Wünsche der digitalen Welt nach konsequenter Transparenz. Gleichzeitig verwies er aber auf die Restriktionen der Regierung, die eine zeitnahe und transparente politische Kommunikation einschränke. „Informationen, die die Regierung im Netz zur Verfügung stellt, müssen rechtsfest sein“ sagt er.

Sicher konnten wir die vielen Diskussionspunkte, die bei dem breiten Thema aufkamen, nicht abschließend klären. Da bleibt viel Potential für weitere Veranstaltungen @politikalarm attestiert: “Wenig Neues, aber nette location und viele Häppchen!“ Wir bleiben dran. Der telegraphen_lunch soll in Serie gehen und auch ruhig noch ein paar Geschwisterchen bekommen. Daher laden wir demnächst vielleicht mal zu nem telegraphen_test oder telegraphen_club. Dabei wollen wir nicht der alleinige Herr über die Themen und das Podium sein, sondern – wie Mark Nierwetberg am Anfang sagte – auf Augenhöhe diskutieren.

PS: Damit Ihr den Tag heute im bewegten Bild ein wenig nacherleben könnt, packen wir Euch diese Woche noch einen Film ins Blog.

Kommentare (1)

  1. Pingback: Berlin Web Week / telegraphen_lunch – 14.12.2011

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  • Einladung zum telegraphen_lunch in Berlin. Thema: Netzpolitik nach der Bundestagswahl.